Schlüsselfaktoren für BGM

Wichtigstes Ziel ist, die Rahmenbedingungen in einem Unternehmen so umzugestalten, dass Gesundheit und Produktivität aller Mitarbeiter*innen nachhaltig gestärkt werden. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Produktivität des gesamten Unternehmens aus. Auf dieser Grundlage sind Schlüsselfaktoren entwickelt worden, die die Rahmenbedingungen eines funktionierenden betrieblichen Gesundheitsmanagements beschreiben:

  1. Ermittlung des Bedarfs der Mitarbeiter*innen mithilfe von Partizipationsinstrumenten, zum Beispiel durch Analysen der Arbeitssituation, durch Gesundheitszirkel oder durch Mitarbeiterbefragungen.
  2. Vernetzung der Experten und innerbetrieblicher Austausch zwischen den verschiedenen Abteilungen. Das gilt unter anderem für die Personalabteilung, den Betriebsrat oder eine sonstige Mitarbeitervertretung sowie für die Bereiche Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin.
  3. Einbeziehung externer Fachleute für die betriebliche Gesundheitsförderung
  4. Ganzheitliche Ausrichtung der Maßnahmen
  5. Strategische und strukturelle Verankerung
  6. Kontinuierliche Verbesserung der Maßnahmen zum Zwecke der Gesundheitsförderung

Beim betrieblichen Gesundheitsmanagement geht es nicht nur darum, bestehende Belastungen und Erkrankungen der Mitarbeiter*innen zu erkennen und die Krankenquote durch gezielte Maßnahmen zu reduzieren. Stattdessen haben das betriebliche Gesundheitsmanagement und insbesondere die betriebliche Gesundheitsförderung die Aufgabe, die Arbeitsbedingungen proaktiv zu gestalten. Das bedeutet, dass die Prävention, die Zufriedenheit und die Lebensqualität im Fokus stehen, wovon letztendlich auch die Produktivität und die Arbeitgeberattraktivität profitieren.

Warum ist die Teilnehmerquote gering?

Wichtig ist zunächst einmal, dass es überhaupt betriebliches Gesundheitsmanagement in Ihrem Unternehmen gibt. Diesbezüglich kommt es nicht auf die Größe, den Umfang und das finanzielle Budget an. Viel wichtiger ist, dass Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten agieren. Das bedeutet, dass Sie klein anfangen und das BGF stetig entwickeln können. Schauen Sie nicht auf die Konkurrenz, sondern konzentrieren Sie sich auf Ihr Unternehmen! Finden Sie individuelle Wege und Lösungen, die zu Ihrem Unternehmen und zu Ihrer Belegschaft passen und mit denen Sie einen gewinnbringenden, positiven Effekt erzielen.

Teilnehmerquote BGM springende Menschen

Es braucht seine Zeit, bis das betriebliche Gesundheitsmanagement in einem Unternehmen fest verankert ist. Umso ärgerlicher ist es, wenn die Teilnehmerquote gering ausfällt. Das ist Grund genug, Ursachenforschung zu betreiben und sich auf die Suche nach möglichen Schwachstellen zu begeben.
Denn auch hier gilt das Motto: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat bereits verloren!

Fehlende oder verspätete Partizipation am BGM

Einer der Gründe, warum das betriebliche Gesundheitsmanagement nicht angenommen wird, ist die fehlende oder verspätete Einbindung und Teilhabe der beteiligten Personen. Das gilt für die Geschäftsführungsebene ebenso wie für einen vorhandenen Betriebsrat, für die einzelnen Führungskräfte und natürlich für die Mitarbeiter*innen.

Geschäftsführungsebene
Es reicht nicht aus, der Geschäftsführungsebene das Konzept für ein betriebliches Gesundheitsmanagement zur Unterzeichnung vorzulegen. Entscheidend ist, dass die Geschäftsführung mit persönlicher Überzeugung, mit Willenskraft und Leidenschaft hinter dem betrieblichen Gesundheitsmanagement steht. Das bedeutet, dass sie den Nutzen sowie den Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen kennen sollte. Nur wenn die Führungsebene das Vorhaben unterstützt, werden Motivation und Interesse auf allen anderen Führungsebenen und bei den Mitarbeiter*innen geweckt. Mit der Unterstützung der Geschäftsleitung ist es einfacher, die ausbremsende Gegenargumentation und möglichen Widerstand zu entkräften.

Betriebsrat
Um einen kontinuierlichen Prozess sicherzustellen, sollte der Betriebsrat von Beginn an in alle Handlungs- und Entscheidungsphasen einbezogen werden. Das ist auch deshalb wichtig, weil der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht hat, das im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) und im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) gesetzlich normiert ist. Der Betriebsrat ist Teil der betrieblichen Arbeitsschutzorganisation. Insoweit besitzt er unter anderem im Bereich des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes ein Teilnahmerecht. Das bedeutet, dass der Betriebsrat aktiv beteiligt werden muss und gestaltend mitwirken darf.

Führungskräfte
Führungskräfte und Projektleiter haben nicht nur eine enge Verbindung zu den jeweiligen Mitarbeiter*innen. Sie können auch durch eine positive oder negative Meinung direkt Einfluss auf sie nehmen. Die Nähe und der Stellenwert von Führungskräften und Projektleiter*innen lassen sich bei der Implementierung des betrieblichen Gesundheitsmanagements gezielt nutzen.

Mitarbeiter*innen
Die häufigste Schwachstelle ist die fehlende Einbindung und Mitbestimmung von Mitarbeiter*innen, die oftmals zu einer fehlenden Akzeptanz und mangelnden Teilnahme führen. Das Ergebnis sind Desinteresse und Ignoranz bis hin zur Ablehnung gegenüber dem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Tatsächlich sollten die Mitarbeiter*innen im Zentrum des betrieblichen Gesundheitsmanagements stehen. Das bedeutet, dass sie von Beginn an aktiv beteiligt werden sollten. Gemeinsam können Belastungen ermittelt und die entsprechenden Maßnahmen abgeleitet, geplant und umgesetzt werden. Dazu gehört auch, individuelle Erfahrungen der Arbeitnehmer*innen abzufragen. Schließlich sind sie Experten in Bezug auf ihren Arbeitsplatz. Daraus resultieren zwei Vorteile: Akzeptanz und ein maßgeschneidertes Gesundheitsmanagement.

Fehlende Zielsetzung

Eine fehlende oder nicht klar formulierte Zielsetzung steht nicht nur systematischem Arbeiten entgegen mit der Folge, dass es kein Ergebnis geben wird. Gleichzeitig ist es nahezu unmöglich, andere Menschen – die Geschäftsleitung, Führungskräfte und die Arbeitnehmer – von der Bedeutung und Wichtigkeit des BGM zu überzeugen. Zu Beginn der Planung müssen deshalb diese Fragestellungen geklärt werden:
– Welche betriebsinternen Bedürfnisse bestehen in Bezug auf das betriebliche Gesundheitsmanagement?
– Was wollen wir mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement in unserem Unternehmen erreichen?
– Welchen Nutzen soll es bieten?

Standardisiertes BGM

Zahlreiche Unternehmen bieten ein starres, standardisiertes Programm an. Meistens sind es zeitliche oder finanzielle Aspekte, weshalb Firmen ein BGF von der Stange mit 08/15-Lösungen etablieren. Das liegt auch daran, dass es immer mehr Anbieter von BGF-Leistungen gibt, sodass der Bedarf, ein maßgeschneidertes betriebliches Gesundheitsmanagement zu entwickeln, nicht wirklich besteht. Stattdessen werden Angebote genutzt, die nicht wirklich zielführend oder qualitativ hochwertig sind, um alle Ziele zu verwirklichen, die damit verbunden sind. Dazu gehören in der Hauptsache die Senkung der Krankenquote der Arbeitnehmer*innen, die Förderung der Gesundheit durch gesundheitliche Prävention sowie der Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Ganz zu schweigen von der Steigerung der Arbeitgeberattraktivität und der Zufriedenheit der Arbeitnehmer*innen durch die mit der Gesundheitsförderung verbundene Wertschätzung. Diese Ziele können mit betrieblichem Gesundheitsmanagement von der Stange kaum oder gar nicht erreicht werden.

Ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement konzentriert sich auf die im Unternehmen vorhandenen konkreten Probleme sowie auf die akuten und individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen. Das ist die Grundlage, um eine branchenspezifische und zielgruppenorientierte Lösung zu erarbeiten. Nur ein auf die Arbeitnehmer*innen zugeschnittenes und maßgeschneidertes betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein Garant für Identifikation und Akzeptanz. Im Idealfall knüpft die betriebliche Gesundheitsförderung an die vorhandenen spezifischen Probleme an. Häufige Auslöser von Fehlzeiten sind beispielsweise Stress und Burnout. Da bieten sich Programme zur Stressreduktion, zur Vermeidung von Burnout, zur Stärkung der mentalen Gesundheit sowie eine gesunde Ernährung und Firmenfitness an. Letztendlich werden durch die Förderung von Achtsamkeit sowie der Gesundheit die Lebensqualität verbessert und die Produktivität des Unternehmens gesteigert. Das liegt auch daran, dass sich durch Angebote wie Firmenfitness und andere Trainings die Identifikation der Mitarbeiter*innen mit dem Unternehmen erhöht.

Individuelle, bedarfsorientierte und insbesondere analysebasierte Maßnahmen helfen, ein maßgeschneidertes betriebliches Gesundheitsmanagement zu entwickeln. Entscheidend wird sein, ob mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement die gewünschten Effekte erzielt werden. Deshalb muss es nicht zwingend betriebliches Gesundheitsmanagement heißen. Auch ein anderer Name ist möglich, wenn er auf mehr Akzeptanz und Erfolg stößt.

Fehlzeitenquote als Maßstab für die Erfolgsmessung

Eine Erfolgsmessung gibt Aufschluss darüber, ob die Maßnahmen wirken. Dazu richtet sich der Blick seitens der Unternehmensführung meistens auf die Krankenquote vor und nach Einführung des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Diese Sichtweise ist jedoch zu eng gedacht. Denn es handelt sich bei Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung nicht um solche, die ausschließlich die Krankenquote senken. Tatsächlich ist das betriebliche Gesundheitsmanagement als Teil des Employer Branding auch eine unternehmensstrategische Maßnahme, die der Markenbildung und der Arbeitgeberattraktivität förderlich ist.

Die Krankenquote kann kein ausreichendes Kennzeichen für die Gesundheit der Arbeitnehmer*innen sein. Bereits eine Grippewelle kann eine derartige Messung deutlich verzerren. Hinzu kommt, dass die durchschnittliche Krankenquote mit der wirtschaftlichen Situation im Land korreliert. Denn in wirtschaftlich guten Zeiten ist die Hemmschwelle für eine Krankschreibung sehr viel geringer als in wirtschaftlich turbulenten Zeiten. Insoweit wäre es falsch, eine niedrige Krankenquote als Kennzeichen für gesunde Angestellte anzusehen. Viel haben Sie mit dem BGF bereits erreicht, wenn die Krankenquote konstant bleibt. Insoweit kann die Reduzierung der Krankenquote keine statistische Messgröße, sondern eine mögliche Zielsetzung sein.

Es gibt stattdessen andere Kennzahlen, die ein umfangreicheres Bild über Mental Health und die körperliche Fitness der Mitarbeiter*innen liefern. Diesbezüglich kann zwischen harten und weichen Faktoren differenziert werden:
– Harte Faktoren sind quantifizierbar und basieren nicht auf einer Mitarbeiterbefragung. Dazu gehören beispielsweise die Arbeitsunfallrate, die Altersstruktur, die Fluktuationsrate, die Produktivität und das Kosten-Nutzen-Verhältnis (Return on Investment).
– Im Gegensatz dazu sind weiche Faktoren personenspezifisch und basieren auf einer Mitarbeiterbefragung. Beispiele für weiche Faktoren sind Zufriedenheit, Wertschätzung, Akzeptanz, Achtsamkeit, Lebensqualität, Wohlbefinden sowie die Arbeitsfähigkeit (Work-Ability-Index).

Konzentration auf die reine Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen


BGM Mitarbeiter sitzen im Kreis



Yoga Gruppe viele Frauen

Es steht außer Frage, dass die betriebliche Gesundheitsförderung mit einer Investition verbunden ist. Das betrifft nicht nur das Budget, sondern auch das entsprechende Know-how im Unternehmen und die erforderlichen personellen Ressourcen. Der entscheidende Fehler ist jedoch, dass sich Unternehmen oftmals auf die reine Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen konzentrieren. Es fehlen eine systematische Planung, Durchführung, Steuerung und Überwachung der betrieblichen Gesundheitsförderung. Gleiches gilt für eine sorgfältige Bestandsaufnahme vor der Einrichtung des BGF sowie für die anschließende Bewertung. Stattdessen werden Maßnahmen ohne begleitendes Projektmanagement etabliert. Beispiele sind Angebote im Bereich Firmenfitness, Maßnahmen zur Stressreduktion, zur Vermeidung von Burnout, zur Förderung der Work-Life-Balance, der Mental Health, der Lebensqualität sowie einer gesunden Ernährung. Wer jedoch das betriebliche Gesundheitsmanagement ohne übergreifende Strategie oder Steuerung durchführt, kann auch den dadurch erzielten Erfolg nicht messen.

Das bedeutet, dass vorab geklärt werden sollte, welche Ressourcen – Budget, Personal, Know-how, Räumlichkeiten – benötigt werden, und wer für das Gesamtthema die Verantwortung trägt. Abhängig von der Größe eines Unternehmens bietet es sich an, einen Arbeitskreis Gesundheit einzurichten. Dieser kann aus internen und externen Entscheidungsträgern bestehen und mit der Aufgabe befasst sein, das betriebliche Gesundheitsmanagement zu planen, zu organisieren, zu steuern und zu koordinieren. Unabdingbare Voraussetzung ist, die kontrollierte, strukturierte und systematische Durchführung mithilfe eines konkreten Ablaufplans umzusetzen. Empfehlenswert ist eine Umsetzung im Rahmen des Projektmanagements, das betriebliches Gesundheitsmanagement in einem Projektplan mit verschiedenen Projektphasen und Meilensteinen erfasst. BGM ohne eine Strategie ist reine Geld- und Zeitverschwendung!

Temporäre Maßnahmen und Aktivitäten

Ein weiterer Fehler ist, dass das betriebliche Gesundheitsmanagement als Summe voneinander unabhängiger, temporärer Maßnahmen und Aktivitäten gesehen wird. Dadurch kommt es zu dem sogenannten Silvester-Effekt. Das bedeutet, dass temporäre Maßnahmen schnell in Vergessenheit geraten, sodass ihre Wirkung nach einiger Zeit verpufft. Richtig ist, die betriebliche Gesundheitsförderung als einen notwendigen zyklischen Ablauf zu begreifen. Um langanhaltende Verbesserungen und nachhaltige Erfolge zu erzielen, muss das betriebliche Gesundheitsmanagement eine gute Mischung aus temporären und wiederkehrenden oder fortdauernden Maßnahmen oder Aktivitäten aufweisen. Vereinzelte Maßnahmen, zum Beispiel Gesundheitstage oder Sportkurse im Bereich der Firmenfitness, können allenfalls zu einer Sensibilisierung der Mitarbeiter führen. Eine notwendige Veränderung der Arbeitsbedingungen mit dem Ziel, die Gesundheit der Angestellten, die Work-Life-Balance und ihre Mental Health zu verbessern, kann so nicht erreicht werden.

Wirksamer ist, zusammenhängende und gruppenspezifische Maßnahmen anzubieten, mit denen die im Zusammenhang mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement gewünschten Ziele tatsächlich erreicht werden. Beispiele sind die Senkung der Krankenquote, eine Verbesserung der Mitarbeiterbindung durch Wertschätzung sowie mehr Achtsamkeit und eine höhere Zufriedenheit. Das wiederum bedingt eine Steigerung der Produktivität und ganz nebenbei auch eine Stärkung des Employer Branding sowie eine höhere Arbeitgeberattraktivität. Insoweit ist das betriebliche Gesundheitsmanagement kein temporäres Projekt, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, bei dem verhältnis- und verhaltensorientierte Maßnahmen dauerhaft optimiert werden. Dadurch erfährt betriebliches Gesundheitsmanagement eine fortlaufende qualitative Verbesserung.

Ressourcenmangel

Betriebliches Gesundheitsmanagement und die betriebliche Gesundheitsförderung scheitern oftmals an begrenzten Ressourcen. Aus demselben Grund wird in manchen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gänzlich auf die Einführung verzichtet. Das ist auch das Ergebnis aktueller Studien, in denen finanzielle, personelle, zeitliche und räumliche Ressourcen als Gründe für das Scheitern oder die Nichteinführung ermittelt wurden. In kleinen und mittleren Unternehmen gleicht das zeitliche Engagement für das betriebliche Gesundheitsmanagement fehlender Arbeitszeit, die für die Produktivität des Unternehmens verloren geht. Ohnehin ist der Vorrang des Tagesgeschäfts eines der wesentlichen Hindernisse für den Erfolg des BGM, da die Gewichtung und die Priorität auf ökonomischer Wichtigkeit und Rentabilität liegen.

Auch KMU kann geholfen werden. Denn betriebliches Gesundheitsmanagement kann an die Gegebenheiten und Möglichkeiten eines Unternehmens angepasst werden. Die betriebliche Gesundheitsförderung kann in kleiner Form in den laufenden Prozess implementiert werden. Insoweit ist das Thema Gesundheit keine zusätzliche Aktion, sondern wird mit den im Unternehmen bereits bekannten Problemen oder notwendigen Veränderungen verknüpft. Häufig kommt es auch zu Fehleinschätzungen in Bezug auf den Nutzen. Verantwortlich sind Wissenslücken und ein defizitärer Informationsstand über die Möglichkeiten und Umsetzungsvarianten des BGM. Deshalb kann es insbesondere für KMU wichtig sein, externe Hilfsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote einzuholen. Externe Vernetzungen und Zusammenschlüsse können überdies wichtige Schlüsselelemente sein, um fehlende Ressourcen auszugleichen. Auch Berufsgenossenschaften, Renten- und Unfallversicherungsträger, gesetzliche Krankenkassen, die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer, öffentliche Institutionen, Vereine sowie private Dienstleister können diesbezüglich eine wertvolle Hilfe sein.

Ausschließlich externe Dienstleister

Es mag entlastend sein, die gesamte Verantwortung für betriebliches Gesundheitsmanagement auf externe Dienstleister zu übertragen. BGM und Gesundheit werden als Dienstleistung eingekauft, zum Beispiel durch Gesundheitsmanager, die alle damit verbundenen Aufgaben erledigen. Es ist sinnvoll, sich insbesondere fachlich und in Bezug auf die Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung externe Hilfe zu holen. Doch betriebliches Gesundheitsmanagement lebt von den Menschen im Unternehmen, von ihren Wünschen, Bedürfnissen und auch von ihren Vorschlägen. Das kann nicht delegiert werden, sondern wird im Idealfall mit dem gesamten Unternehmen gestaltet, gelebt und weiterentwickelt. Die Begleitung durch externe Fachkräfte ist als Unterstützung zu sehen, die die Planung und Umsetzung des BGF maßgeblich unterstützt und begleitet. Doch der Input muss vom Unternehmen selbst kommen. Wer könnte besser wissen als die eigenen Mitarbeiter*innen, welche Maßnahmen und Aktivitäten für das betriebliche Gesundheitsmanagement zielführend sind? Das bedeutet, dass sie mit ihren Wünschen und Bedürfnissen direkt am BGM teilnehmen und es mitgestalten und entwickeln.

Die Maßnahmen für die Gesundheit sollten von innen heraus in Zusammenarbeit mit Führungskräften und Mitarbeiter*innen wachsen und in die betriebsinternen Strukturen und Prozesse integriert werden. Gemeint sind beispielsweise Maßnahmen, die die Lebensqualität und die Mental Health steigern, die Prävention zur Stressreduktion und zur Vermeidung von Burnout sowie die Gestaltung von Firmenfitness-Angeboten. Wichtig ist, die Gesundheit fördernden Leitgedanken in die Philosophie und das Wertesystem des Unternehmens einzubinden. Auf diese Weise bringen Sie Ihren Mitarbeiter*innen Wertschätzung und Achtsamkeit entgegen, was sich wiederum positiv auf die Stressreduktion, die Zufriedenheit, die Identifikation mit Ihrem Unternehmen sowie die Work-Life-Balance und die Lebensqualität auswirkt. Das betriebliche Gesundheitsmanagement als Teil des Employer Branding stärkt die Mitarbeiterbindung sowie Ihre Arbeitgeberattraktivität und damit auch die Produktivität Ihres Unternehmens.

BGM als bloßes Aushängeschild

Der Wettbewerbsdruck auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften steigt. Insoweit ist die betriebliche Gesundheitsförderung eine Möglichkeit, das Employer Branding zu stärken, die Arbeitgeberattraktivität zu steigern sowie das Ideal der Work-Life-Balance zu erfüllen und sich gegenüber Wettbewerbern zu profilieren. Es sind vor allem die Fach- und Führungskräfte, die gezielt nach Zusatzangeboten und nach gesundheitsfördernden Zusatzleistungen fragen. Oftmals machen sie ihre Entscheidung für oder gegen ein Jobangebot davon abhängig. Um darauf eine positive Antwort geben zu können, nutzen manche Unternehmen das betriebliche Gesundheitsmanagement als Marketing- und Benefit-Strategie. Aktionen mit bloßer Schaubildfunktion können kurzfristig die Anwerbung von Mitarbeiter*innen begünstigen. Doch langfristig schwächen sie die Arbeitgeberattraktivität nachhaltig und schaden dem Employer Branding. So etwas spricht sich nicht nur schnell herum. Es lässt auch Rückschlüsse darauf zu, welche Einstellung ein Unternehmen in Bezug auf die Wertschätzung, die Zufriedenheit, die Mental Health, die Work-Life-Balance, die Lebensqualität und Achtsamkeit gegenüber den eigenen Mitarbeiter*innen hat. Prävention und gesundheitsfördernde Maßnahmen dürfen nicht zu Alibi-Veranstaltungen verkommen.

Stattdessen ist die betriebliche Gesundheitsförderung nur wirkungsvoll, wenn sie Bestandteil der Unternehmensphilosophie ist und auch in der Realität deutlich macht, dass die Mitarbeiter*innen das wichtigste Gut innerhalb des Unternehmens sind – in das es sich lohnt zu investieren. Insoweit hängt der Erfolg gesundheitsfördernder Maßnahmen maßgeblich von der Grundhaltung eines Unternehmens ab. Nur wenn das betriebliche Gesundheitsmanagement nicht als Trostpflaster verstanden oder zur bloßen Stärkung des Employer Branding verwendet wird, sondern Ausdruck der Wertschätzung und der Achtsamkeit gegenüber den Mitarbeiter*innen ist, wird es die gewünschte Wirkung erzielen.

BGM auf einer Säule

Betriebliches Gesundheitsmanagement basiert nicht nur auf einer Säule. Stattdessen handelt es sich um einen übergeordneten Begriff, der drei Säulen beschreibt: Die betriebliche Gesundheitsförderung, den Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie das betriebliche Eingliederungsmanagement. Wer sich als Unternehmen nur auf eine Säule konzentriert, handelt halbherzig und wird nicht den gewünschten Erfolg erzielen.

  • Gesetzlich verpflichtend sind nach § 14 SGB VII (Sozialgesetzbuch siebtes Buch) die Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes
  • Gleiches gilt für das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM), das in § 84 SGB IX (Sozialgesetzbuch neuntes Buch) gesetzlich normiert ist

Die Vermeidung von arbeitsbedingten gesundheitlichen Gefahren, die Überwindung von Arbeitsunfähigkeit sowie die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften sind das grundlegende Fundament für das betriebliche Gesundheitsmanagement in Unternehmen. Es sollte strukturiert aufgebaut und gesetzeskonform umgesetzt werden.

Die dritte Säule ist die betriebliche Gesundheitsförderung, die vom Unternehmen in Zusammenarbeit mit Mitarbeiter*innen und Führungskräften gestaltet, umgesetzt und permanent weiterentwickelt wird. Das Angebot gesundheitsfördernder Maßnahmen ist nur ein Teilaspekt der BGF. Beispiele sind Firmenfitness, Maßnahmen im Bereich der Prävention, Vorträge und Kurse über eine gesunde Ernährung sowie Maßnahmen zur Stärkung der Mental Health. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie fördern die Achtsamkeit und die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen, stärken die Mental Health, senken die Krankenquote und bedingen eine Stressreduktion sowie die Senkung von Burnout. Das sind nicht die einzigen positiven Folgen. Die Zufriedenheit und die Identifikation mit dem Unternehmen sowie die Mitarbeiterbindung steigen ebenso wie die Arbeitgeberattraktivität insgesamt, was gleichzeitig das Employer Branding fördert. Insgesamt ist BGM auch eine Form der Wertschätzung, die die Lebensqualität der Mitarbeiter verbessern kann.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Fehler durchaus auch etwas Gutes haben. Einen positiven Nutzen zieht, wer aus seinen Fehlern lernt. Fehler sind nicht nur eine Chance für einen konstruktiven Lerneffekt. Sie sind auch ein Erkenntnisgewinn und legen weiteren Handlungsbedarf offen. Sofern Sie also den einen oder anderen Fehler in Ihrem BGM entdeckt haben, besitzen Sie jetzt die Chance, ihn zu korrigieren. Analysieren Sie gemeinsam mit internen Mitarbeiter*innen und Führungskräften sowie mit externen Dienstleistern mögliche Defizite und Fehler. Erarbeiten Sie Alternativen sowie spezielle, für Ihr Unternehmen passende Lösungen. Nutzen Sie regelmäßige interne Zusammenkünfte, um das betriebliche Gesundheitsmanagement in Ihrem Unternehmen stetig weiterzuentwickeln, sodass es an Größe und Wirkung gewinnt.

Warum BGM für Unternehmen immer wichtiger wird

Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist keine Modeerscheinung, sondern eine wichtige Größe, um die wirtschaftlichen Ziele eines Unternehmens sicherzustellen. Anders als in früheren Jahren, in denen Arbeitnehmer*innen als „Humankapital“ bezeichnet wurden, entscheidet die Ressource Mensch immer häufiger über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Grund sind der demografische Wandel sowie die gestiegenen Anforderungen in der modernen Arbeitswelt, der immer weniger fachlich qualifizierte Arbeitskräfte gegenüberstehen. Deshalb werden Unternehmen nicht umhinkommen, dass sie zu Orten werden, an denen die arbeitenden Menschen begeisternde und neue Erfahrungen machen können. Denn nur dann werden sie bereit und in der Lage sein, Überdurchschnittliches zu leisten.

Zwei Menschen am Berggipfel Sonnenuntergang

1. Gesundheitsorientiertes Führen
Die Gesundheit und die Gesunderhaltung der Belegschaft sowie der Führungskräfte, zum Beispiel durch Prävention und Firmenfitness-Angebote, nehmen eine Schlüsselrolle ein. Zu den Grundvoraussetzungen für Leistungsfähigkeit gehört, dass Mitarbeiter*innen Wertschätzung erfahren, was wiederum die Zufriedenheit fördert. Maßgeblich für Achtsamkeit, Zufriedenheit und Stressreduktion ist, dass sie in ihrer Tätigkeit einen Sinn sehen. Weitere Voraussetzung für eine verbesserte Mitarbeiterbindung ist, dass von der Geschäftsleitung über die Führungskräfte ein professionelles Verständnis von BGM gegeben ist. Insoweit wird in die Führungsstrategien ein modernes Gesundheitsbewusstsein einfließen, was als gesundheitsorientiertes Führen bezeichnet werden kann.

2. Aufgeben gewohnter Denk- und Verhaltensmuster
Die betriebliche Gesundheitsförderung wird zwangsläufig dazu führen, dass gewohnte Denk- und Betrachtungspfade verlassen werden. Das bedeutet auch, dass die bislang vorherrschende Auffassung, dass Mitarbeiter*innen selbst für ihr Wohlbefinden verantwortlich sind, so keine Gültigkeit mehr hat. Die bisherigen Angebote scheinen oftmals halbherzig. Das gilt für die Firmenfitness in Zusammenarbeit mit einem Fitnessstudio ebenso wie für den Firmenlauf, einzelne Sportkurse, mobile Massagen und die in der Kantine angebotene verbesserte Ernährung. Mit halbherzigen Maßnahmen bleibt der gewünschte Erfolg aus. In Bezug auf die Identifikation der Arbeitnehmer*innen mit dem Unternehmen, Reduzierung von Stress und Burnout, die Beachtung der Work-Life-Balance und die Lebensqualität wird sich nichts zum Positiven ändern. Gleiches gilt für die Arbeitgeberattraktivität, das Employer Branding und die Produktivität. Insoweit sind Entscheider in Unternehmen gezwungen, sich mit professionellem BGM intensiv zu befassen.

Insgesamt hilft betriebliches Gesundheitsmanagement Unternehmen, die Arbeitsbedingungen für die Angestellten sowie ihre Gesundheit zu verbessern. Die Krankheitsquote kann, Untersuchungen zufolge, um bis zu 40 Prozent reduziert werden. Grund sind eine deutliche Reduzierung von Stress und Burnout, sodass sich BGM für Unternehmen finanziell auszahlt. Trotz aller positiven Argumente – und das sind noch längst nicht alle – ergreift nur rund ein Drittel der Unternehmen entsprechende Maßnahmen. Insbesondere bei Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern ist der Nachholbedarf immens. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass rund 80 Prozent der Unternehmen die Notwendigkeit des betrieblichen Gesundheitsmanagements kennen und auch respektieren.

Verschiedene Prinzipien für ein funktionierendes BGM im Unternehmen

Das betriebliche Gesundheitsmanagement funktioniert nach bestimmten Prinzipien. Entwickelt und umgesetzt wird es gemeinsam mit dem Management, dem Betriebsrat, den Mitarbeiter*innen sowie weiteren zentralen Akteuren. Inhaltlich zielt das BGM insbesondere auf die Prävention ab, die eine Abkehr von der bisherigen Reparatur- und Kompensationskultur bedeutet. Neben der Prävention stehen noch weitere gesundheitliche Aspekte im Fokus des betrieblichen Gesundheitsmanagements:

  • Vermeiden bzw. Reduzierung von körperlichen und psychischen Beanspruchungen und Belastungen, z.B. durch Firmenfitness-Angebote
  • Vermeiden von Stress mit dem Ziel der Stressreduktion
  • Senken der Krankenquote
  • Stärken von gesundheitsförderlichen Ressourcen, zum Beispiel der Mental Health zur Vermeidung von Burnout
  • Mehr Achtsamkeit und Wertschätzung zur Stärkung der Gesundheit
  • Ausgewogenheit von Arbeits- und Privatleben im Sinne der Work-Life-Balance
  • Eine Verbesserung der Lebensqualität
  • Eine an die Bedürfnisse der Arbeitnehmer angepasste gesunde und abwechslungsreiche Ernährung
  • Organisation als Mix aus Beteiligungs- und Expertenorientierung
  • Einbetten des betrieblichen Gesundheitsmanagements in die Unternehmensphilosophie
  • Erfolgscontrolling

Werden diese Ziele erreicht, hat das positive Auswirkungen auf die gesamte Unternehmenskultur sowie auf das Unternehmen im Außenverhältnis, nämlich diese:

  • Eine intensivere Identifikation der Mitarbeiter*innen mit dem Unternehmen
  • Eine höhere Zufriedenheit der Arbeitnehmer
  • Eine verbesserte Mitarbeiterbindung an das Unternehmen
  • Eine Stärkung des Employer Branding
  • Eine Erhöhung der Arbeitgeberattraktivität
  • Eine Steigerung der Produktivität und damit der Unternehmensgewinne

1. Gesundheitsbezogene Führungskultur
Kennzeichen von gesundheitsbewussten Organisationen ist eine gesundheitsbezogene Führungskultur. Sie zeigt sich in unterschiedlichen Verhaltensweisen und Maßnahmen. Um gesundheitsgerecht führen zu können, sind eine entsprechende Qualifizierung sowie Coaching der Führungskräfte in diesem Bereich unerlässlich. Schließlich haben sie eine Vorbildfunktion in Bezug auf gesundheitsbewusstes Verhalten für alle Menschen im Unternehmen. Dazu gehört auch, dass sämtliche Führungskräfte in die Planung, Entwicklung und den Aufbau eines ganzheitlichen BGM eingebunden sind und von Beginn an mitwirken.

2. Eine von Gesundheitsbewusstsein getragene Unternehmenskultur
Gesundheitsbewusste Unternehmen haben ein Gesundheitsleitbild und eine die Ressourcen stärkende Gesundheitskultur. Was bedeutet das?

  • Das auf die Gesundheit fokussierte Unternehmensleitbild umfasst die Vision sowie die Werte und ethischen Grundsätze der Gesundheitskultur.
  • Das Gesundheitsleitbild wird beteiligungsorientiert erstellt. Das bedeutet, dass alle Führungskräfte und Angestellten in die Entwicklung und Umsetzung eingebunden sind.
  • Es ist im Unternehmen verankert und Teil der Unternehmensphilosophie.
  • Dazu gehört auch, dass die gesundheitsrelevanten Führungsgrundsätze schriftlich festgehalten und Teil der Unternehmensphilosophie sind.
  • Das funktioniert jedoch nur, wenn es umfassend nach innen und außen kommuniziert wird und bekannt ist.
  • Die gelebte Gesundheitskultur trägt dazu bei, die Gesundheit und die Mental Health der Mitarbeiter*innen zu stärken und die Krankenquote sowie Stress zu reduzieren. Die Zufriedenheit und die Identifikation mit dem Unternehmen verbessern sich. Zur Gesundheitskultur gehört auch, durch verschiedene Maßnahmen die Work-Life-Balance zu realisieren und dadurch die Lebensqualität der Arbeitnehmer*innen zu erhöhen.
  • Eine gesunde Ernährung rundet die Gesundheitskultur ab.

3. Mitarbeiterbeteiligung und Mitarbeiterverhalten
Gesundheitsbewusste Unternehmen fördern nicht nur die Prävention in Bezug auf das körperliche Wohlbefinden, sondern auch die Verhaltensprävention. Das setzt voraus, dass sie die Beschäftigten umfassend qualifizieren und beteiligen, wobei sich die Beteiligungsqualität durch bestimmte Maßnahmen und Aktionen zeigt.

  • Gesundheitsförderndes Verhalten kann durch Stressreduktion, durch eine gesunde Ernährung und durch Firmenfitness erzielt werden. Diese Maßnahmen sind geeignet, die Krankenquote zu senken. Dazu gehören auch die Suchtprävention sowie Schutzausrüstung für Notfälle.
  • Die Verantwortung für die Gesundheit obliegt im betrieblichen Gesundheitsmanagement den Beschäftigten, die sich als Experten verstehen und an der Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung des BGM beteiligt werden.
  • Das führt zu eigenverantwortlichem Handeln und dazu, dass innerhalb des Unternehmens ein reger Gesundheitsdialog geführt wird.
  • Um diese Ziele zu erreichen, ist es sinnvoll, Anreize zu schaffen und die Mitarbeiter*innen für gesundheitsbewusstes Verhalten zu belohnen.

4. Organisation und Kooperation
Gesundheitsbewusste Unternehmen pflegen Partnerschaften, um Gesundheit, Prävention und Rehabilitation zu managen. Innerbetriebliche Ressourcen helfen, die Gesundheitspolitik zu unterstützen und das BGM umzusetzen. Gemanagt werden unter anderem:

  • Externe Partnerschaften mit Krankenkassen, Gewerkschaften, Behörden, Berufsgenossenschaften, betriebsärztlichen Diensten sowie mit Fachdiensten und Fachinstituten
  • Die finanziellen Ressourcen bzw. die für das betriebliche Gesundheitsmanagement zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel
  • Die Anforderungen an die Arbeitssicherheit
  • Strukturen und Technologien des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie die interne Vernetzung mit den Fachabteilungen
  • Informationen und das Wissen in Bezug auf die Gesundheit, die Prävention sowie die Rehabilitation
  • Schutz von personen- und gesundheitsbezogenen Daten im BGM im Sinne der Datenschutzgesetze

5. Das Prinzip der Arbeitsgestaltung
Gesundheitsbewusste Unternehmen verbessern und gestalten Arbeitsprozesse und Arbeitssysteme mit dem Ziel, Stress zu reduzieren, Burnout sowie Belastungen und Fehlbeanspruchung zu vermeiden. Stattdessen sollen die Ressourcen der Mitarbeiter*innen gestärkt werden, was gleichermaßen für die Mental Health gilt. Umgesetzt werden kann dieses Ziel durch:

  • Die systematische Gestaltung der Prozesse auf Basis arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse
  • Die systematische und strukturierte Analyse sowie die Bewertung von psychischen und physischen Beanspruchungen und Belastungen der Mitarbeiter*innen
  • Die Umsetzung von Bestimmungen im Bereich des Arbeitsschutzes sowie die Anwendung von ergonomischen Prinzipien
  • Die Berücksichtigung von Anforderungen an die Gestaltung des Arbeitsplatzes für bestimmte Zielgruppen, z.B. für Jugendliche, Schwerbehinderte und Schwangere
  • Die Gestaltung der Arbeitszeit nach arbeitswissenschaftlichen Kriterien, z.B. in Bezug auf die Work-Life-Balance

6. Messen der Ergebnisse
Umfangreiche Messungen bilden die erreichten Erfolge im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements ab. Ansatzpunkte für Messungen beziehungsweise Befragungen aus Sicht der Mitarbeiter*innen könnten diese Kriterien sein:

  • Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten in Bezug auf das BGM
  • Der Grad der Wertschätzung
  • Der Kommunikations- und Informationsfluss
  • Möglichkeiten der Einflussnahme und der Kreativität
  • Die Arbeitsanforderungen in körperlicher, geistiger und emotionaler Hinsicht
  • Die Höhe des Einkommens

7. Evaluation und Kennzahlen des BGM
Messungen geben Aufschluss über den Erfolg des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Ansatzpunkte für die Evaluation können bestimmte Kennzahlen und ihre Entwicklung im Unternehmen sein, wobei auch der Vergleich mit anderen Unternehmen den Erfolg oder Misserfolg dokumentieren kann. Mögliche Kennzahlen sind:

  • Der Krankenstand beziehungsweise die Krankenquote
  • Durch Krankheit bedingte Fehlzeiten
  • Zahl der Angestellten, die an einer Berufskrankheit leiden
  • Zahl der Arbeitnehmer, die aufgrund von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten erwerbsunfähig sind
  • Nutzen des BGM, der dem betrieblichen Aufwand und den aufgewendeten Ressourcen für betriebliches Gesundheitsmanagement gegenübergestellt wird
  • Ergebnisse aus den Gesundheitsberichten der Krankenkassen
  • Leistungen von Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und sonstigen Sozialversicherungsträgern, welche die Mitarbeiter*innen des Unternehmens infolge von Unfällen und Erkrankungen in Anspruch genommen haben

Die Evaluation macht nur Sinn, wenn die zu Beginn erstellte Auswertung von intern gewonnenen Gesundheitszahlen sowie die Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen und Gesundheitsberichten Grundlage des betrieblichen Gesundheitsmanagements sind. Aus den so ermittelten Daten zur gesundheitlichen Situation der Angestellten in einem Unternehmen resultieren die Ziele, Maßnahmen und Aktionen sowie die notwendige Änderung von Organisationsstrukturen. Der letzte Schritt eines effektiven Gesundheitsmanagements ist die Evaluation. Erst durch die wissenschaftlich begründete Auswertung und Bewertung von Prozessen, Strukturen und Ergebnissen entstehen sogenannte lernende Systeme in Form betrieblicher Gesundheitskonzepte, die sich maßgeblich von bloßem Gesundheitsaktionismus unterscheiden.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in allen Phasen des Prozesses bestimmte Prinzipien beachtet werden sollten. Dazu gehören die Partizipation, eine klare Zielsetzung, die Qualifizierung, Information und Kommunikation, Projektmanagement, Ressourcenmanagement, ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, Netzwerke und sonstige externe Unterstützung sowie Glaubwürdigkeit und Ganzheitlichkeit.

Die vier Phasen des BGM-Prozesses

Die Aufgabe eines strukturierten betrieblichen Gesundheitsmanagements ist der Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmer im Unternehmensalltag sowie die Unterstützung zur Erhaltung der Gesundheit. Denn die Gesundheit ist die wesentliche Grundlage für das Erbringen von Leistung sowie von Wohlbefinden. Ein guter BGM-Prozess erzielt genau diese Erfolge. Voraussetzung ist ein strategischer und systematischer Aufbau, wobei der Managementansatz im Idealfall vier Phasen umfasst, nämlich die Analyse, die Strategie, die Umsetzung und die Evaluation.



BGM vier Phasen Zeigefinger

1. Analyse
In einem ersten Schritt wird der Ist-Zustand erfasst. Mithilfe von Analyse-Instrumenten werden Problembereiche aufgedeckt und vorhandene Ressourcen identifiziert. Für die Beurteilung der Gefährdung werden verschiedene Instrumente herangezogen, z.B. eine Strukturanalyse der Krankenquote oder Mitarbeiterbefragungen.
2. Strategie
Es wird eine Strategie entwickelt, die auf die jeweilige Unternehmenssituation zugeschnitten ist. Dazu werden Ziele und Standards im betrieblichen Gesundheitsmanagement festgelegt.
3. Umsetzung
Nach Festlegen einer Strategie beginnt die Umsetzung.
4. Evaluation
im Rahmen der Evaluation werden die durch das BGM erzielten Ergebnisse in Bezug auf Ihren Nutzen bewertet sowie weitere Handlungsfelder identifiziert. Diese Form der Erfolgskontrolle sollte möglichst regelmäßig und fortlaufend geschehen.

Gezielte Fragestellungen helfen, den Ist-Zustand zu analysieren, die Zielsetzungen zu definieren und die passenden Maßnahmen auszuwählen.

  • Ermittlung des Status Quo: Wo stehen wir in unserem Unternehmen in Bezug auf die betriebliche Gesundheit?
  • Zielsetzung: Was wollen wir mit der betrieblichen Gesundheitsförderung erreichen?
  • Auswahl geeigneter Maßnahmen: Welche gesundheitsfördernden Maßnahmen eignen sich für unser Unternehmen?
  • Ressourcenplanung: Welche Ressourcen brauchen wir, um diese Maßnahmen einzuführen?
  • Ermittlung des Erfolgs: Haben diese Maßnahmen wirklich geholfen, unser vereinbartes Ziel zu erreichen?

Um die passenden Maßnahmen für die betriebliche Gesundheitsförderung auszuwählen, müssen vorab die Grundsätze und Werte eines Unternehmens auf den Prüfstand, sofern sie nicht unmissverständlich formuliert sind und gelebt werden.

Nutzen und Ziele des betrieblichen Gesundheitsmanagements

Auch wenn über viele Jahre der Profit im Fokus eines Unternehmens stand, so hat sich diese Sicht- und Denkweise zugunsten von Arbeitnehmern verschoben. Diese veränderte Geisteshaltung geht unter anderem zurück auf den demografischen Wandel und den Mangel an qualifizierten Kräften. Jetzt werden sie wieder als das wichtigste Gut eines Unternehmens angesehen. Unternehmen haben erkannt, dass sie nur mit gut ausgebildeten, leistungsfähigen, motivierten und insbesondere gesunden Mitarbeiter*innen langfristig erfolgreich sein werden. Der Fokus ist nicht in der Hauptsache auf die Beseitigung psychischer und körperlicher Beschwerden gerichtet. Stattdessen ist oberstes Ziel die Entfaltung gesundheitsbezogener Aktivitäten und Potenziale der Arbeitnehmer.

Betriebliches Gesundheitsmanagement macht sich insoweit in mehrfacher Hinsicht bezahlt:

  1. Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist ein Instrument, um die Fitness und Leistungsfähigkeit der Angestellten und damit die Produktivität und den Unternehmenserfolg zu erhöhen.
  2. Gleichzeitig ist das betriebliche Gesundheitsmanagement ein Instrument der Mitarbeiterbindung.
  3. Auf Mitarbeiterseite erhöht es die Zufriedenheit und die Identifikation mit dem Unternehmen.
  4. Auf Unternehmerseite steigen das Employer Branding und die Arbeitgeberattraktivität.

Insoweit ist betriebliches Gesundheitsmanagement eine Investition in die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Die Vorteile des betrieblichen Gesundheitsmanagements

Betriebliches Gesundheitsmanagement und insbesondere die betriebliche Gesundheitsförderung sind ein ideales HR-Werkzeug, das zahlreiche Vorteile bietet. Sie reichen von einer verbesserten Identifikation der Mitarbeiter*innen mit dem Unternehmen und einer intensiveren Mitarbeiterbindung bis zum Employer Branding. Vorteile des BGM sind:

  • Senkung der Krankenquote durch Prävention
  • Reduzierung von Stress und Vermeiden von Burnout
  • Stärkung der Mental Health
  • Mehr Achtsamkeit und Wertschätzung
  • Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen
  • Stärkere Identifikation mit dem Unternehmen
  • Nachhaltige Mitarbeiterbindung
  • Positive Unternehmenskultur
  • Senkung der Krankenquote durch Prävention und ein verbessertes Arbeitsklima
  • Gesteigerte Leistungsfähigkeit durch Firmenfitness
  • Steigerung der Arbeitgeberattraktivität
  • Stärkung des Employer Branding
  • Reduzierte Kosten durch Senkung der Krankenquote
  • Erhöhte Produktivität
  • Verbesserte Wettbewerbsfähigkeit

Beispiele für betriebliches Gesundheitsmanagement

Bereits kleine Veränderungen können eine große Wirkung zeigen. Wichtig ist, die einzelne Maßnahme nicht separat zu sehen, sondern im Zusammenhang mit den Unternehmensprozessen. Um die richtigen Maßnahmen für betriebliches Gesundheitsmanagement auszuwählen, sollten sich die für das BGM Verantwortlichen unter anderem diese Fragen stellen:

  • Was brauchen meine Angestellten, um effizient, voller Energie und mit möglichst wenig Stress arbeiten zu können?
  • Handelt es sich um Maßnahmen, die den Mitarbeiter*innen Spaß machen?
  • Sind sie für jede Altersgruppe gut umsetzbar?
  • Werden dadurch der Teamgeist und die Produktivität des Unternehmens gefördert?

Es gibt zahlreiche Beispiele für die betriebliche Gesundheitsförderung, die sich in der Realität als erfolgreich erwiesen haben – hier eine Auswahl:

1. Kostenlose Getränke und Obsttage
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie eine gesunde Ernährung bedingen eine höhere Leistungsfähigkeit. Kleine Maßnahmen wie kostenfreie Getränke sowie Obsttage können deshalb einen Mehrwert bieten.

2. Aktive Pausen
Wer regelmäßig am Schreibtisch arbeitet weiß, wie unangenehm langes Sitzen ist. Die Folgen können eine ungesunde Körperhaltung, Verspannungen und Rückenschmerzen sein. Abwechslung bietet eine sogenannte aktive oder bewegte Pause. Mindestens einmal in der Woche kommt ein geschulter Trainer oder ein Physiotherapeut, der die Angestellten trainiert. Gezielte Übungen und maßgeschneiderte Trainingseinheiten helfen, Belastungen vorzubeugen und Muskelgruppen zu trainieren. Alternativ werden Schreibtischstühle durch Sitzbälle ersetzt, die mehr Raum für Beweglichkeit bieten. Auch Stehpulte helfen, Abwechslung durch Sitzen und Stehen in den Büroalltag zu bringen.




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3. Betrieblicher Gesundheitszirkel
Aus Mitarbeiterbefragungen geht hervor, dass ein sogenannter betrieblicher Gesundheitszirkel die ideale Lösung ist, um die Arbeitnehmer in die Planung und Umsetzung einzubeziehen. Ein solcher betrieblicher Gesundheitszirkel setzt sich aus Führungskräften, externen Beratern und Mitarbeitern zusammen. In regelmäßigen Abständen finden Sitzungen statt, in denen Probleme aufgedeckt sowie Lösungen besprochen und entwickelt und in gesundheitliche Maßnahmen transferiert werden.

4. Digitale Gesundheitsplattform
Eine digitale Gesundheitsplattform bietet zahlreiche Möglichkeiten, eine Strategie innerhalb eines Unternehmens zu implementieren. Beispiele sind ein Schrittzähl-Wettbewerb mithilfe einer App, die regelmäßige Veröffentlichung von Gesundheitsthemen oder onlinebasierte Fitnesskurse. Die Möglichkeiten sind vielfältig und erreichen Arbeitnehmer*innen auch außerhalb des Unternehmens, unter anderem im Homeoffice oder auf Dienstreisen. Die digitale Gesundheitsplattform eignet sich insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, deren finanzielle Möglichkeiten und Ressourcen begrenzt sind. Wichtig ist, die Balance zwischen Offline-Maßnahmen und digitalen Lösungen zu finden.

5. Firmen-Wettkämpfe
Wettkämpfe innerhalb des Unternehmens sorgen nicht nur für mehr Bewegung und eine Stressreduktion am Arbeitsplatz, sie können auch die Arbeitsatmosphäre und den Teamgeist fördern. Das können einzelne sportliche Wettkämpfe oder auch ganze Firmen-Olympiaden sein. Eine Möglichkeit ist, mithilfe einer App Kilometer zu sammeln, z.B. beim Fahrradfahren, beim Walken, Joggen, beim Schwimmen oder beim Spazierengehen. Jeder einzelne Kilometer wird mit der App aufgezeichnet. Durch das Kilometer zählen wird nach einer festgelegten Zeit ein Sieger ermittelt. Die Aktion kann auch als Spendenaktion umgesetzt werden, bei der jeder einzelne Kilometer bzw. die Gesamtkilometerzahl in Euro umgewandelt werden.

6. Workshops und Vorträge
Informative und abwechslungsreiche Vorträge oder Workshops, die eine gesundheitsbewusstere Lebensweise zum Inhalt haben, fördern die Sensibilisierung der Mitarbeiter*innen und die Akzeptanz des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Umgesetzt werden sie beispielsweise an einem Gesundheitstag oder als Weiterbildungsmaßnahme. Beispiele für Vorträge und Workshops sind gesunde Ernährung, rückengerechtes Arbeiten, Selbstmanagement zur Vermeidung von Burnout, Entspannungstechniken zur Stressreduktion, Zeitmanagement und vieles mehr. Aktive Workshops tragen dazu bei, Arbeitnehmer*innen und Führungskräfte zu motivieren und für das BGM zu begeistern.

7. Kurse zur Prävention
Kurse zur Prävention haben das Ziel, dass Arbeitnehmer*innen möglichst lange gesund sind und fit bleiben. Maßgeblich ist ein gesünderer Lebensstil. Den zu erlernen fällt in einer Gruppe leichter. Das Lernen in der Gruppe fördert die Motivation und hilft, den inneren Schweinehund zu überwinden. Kurse, die der Prävention dienen, beschäftigen sich unter anderem mit Bewegung, mit der Bewältigung von Stress sowie mit Entspannung.

8. Psychosoziale Beratung
Eine Maßnahme der betrieblichen Gesundheitsförderung ist die psychosoziale Beratung. Psychosoziale Probleme im beruflichen oder privaten Bereich beeinflussen nicht nur das Wohlbefinden negativ, sondern auch die Leistungsfähigkeit. Eine individuelle Beratung kann helfen, Konflikte als solche zu erkennen und gemeinsam Lösungswege zu erarbeiten. Die psychosoziale Beratung kann unter anderem helfen, Burnout zu vermeiden oder Mobbing aufzudecken. Die Berater unterliegen der Schweigepflicht gegenüber dem Unternehmen, sodass es möglich ist, insbesondere berufliche Probleme offen anzusprechen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Ängste, die im Zusammenhang mit der Arbeit stehen
  • Konflikte mit Kolleg*innen und Vorgesetzten
  • Depressive Verstimmungen
  • Überforderung und Unsicherheit

Es sind neben Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie des Muskel-Skelett-Systems psychische Belastungen im Unternehmensalltag, die die Krankenquote negativ beeinflussen. Insoweit ist es wichtig, die Mental Health zu stabilisieren und die Leistungsfähigkeit zu stärken. Deshalb ist die psychosoziale Beratung ein zentraler Punkt innerhalb des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

9. Weitere Maßnahmen für ein erfolgreiches BGF
Es gibt noch weitere Maßnahmen, mit denen Sie die betriebliche Gesundheitsförderung interessant und wirkungsvoll gestalten können:

  • Kooperationen mit Schwimmbadbetreibern, mit Wellness-Dienstleistern und mit Fitnessstudios
  • Arbeitsumfeld mit ausreichend Tageslicht, mit Grünpflanzen und Rückzugsräumen
  • Inhouse-Gruppen, z.B. für Yoga, Meditation, Pilates, Entspannung oder Laufen, Selbstverteidigung und Boxtraining
  • Flexible Arbeitsmöglichkeiten, unter anderem Gleitzeit und Homeoffice
  • Regelmäßige Mitarbeiterbefragungen zum Thema Gesundheit

Seien Sie in Bezug auf die betriebliche Gesundheitsförderung kreativ! Bringen Sie immer wieder neue Impulse ein, um Arbeitnehmer*innen und Führungskräfte aus ihrem alltäglichen Trott zu reißen. Kommunizieren Sie BGM-Angebote. Informieren Sie über das Angebot und erklären Sie den jeweiligen Nutzen. Lassen Sie sich etwas einfallen, um bei Ihren Mitarbeiter*innen und Führungskräften die Begeisterung für betriebliches Gesundheitsmanagement zu wecken.

Finanzielle und steuerliche Vorteile des betrieblichen Gesundheitsmanagements



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Betriebliches Gesundheitsmanagement ist nicht nur eine Investition in die Gesundheit der Mitarbeiter*innen. Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt wurde, führt es zu einer Stärkung der Mental Health und der Leistungsfähigkeit, was wiederum der Produktivität Ihres Unternehmens zugutekommt. Es ist also eine Win-Win-Situation für ein Unternehmen. Doch damit nicht genug: Mit BGM-Maßnahmen können Sie auch steuerliche Vorteile ausschöpfen.

Nach § 3 Nr. 34 EStG (Einkommensteuergesetz) können Arbeitgeber einen Freibetrag in Höhe von 600 Euro pro Mitarbeiter und Kalenderjahr geltend machen. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber Maßnahmen zur Gesundheitsförderung bezahlt. Bis Ende 2019 lag dieser Freibetrag noch bei 500 Euro und ist zu Beginn des Jahres 2020 um 100 Euro erhöht worden. Von der steuerfreien Leistung profitiert der Arbeitgeber nur, wenn er zwei Voraussetzungen erfüllt: Freiwilligkeit und Zertifizierung.

1. Welche Maßnahmen werden steuerlich begünstigt?
Dem Gesetz entsprechend muss es sich um „Leistungen des Arbeitgebers“ handeln, die geeignet sind, die Krankheitsrisiken zu verhindern und zu vermindern. Sie müssen außerdem der „Förderung der Gesundheit“ in Unternehmen dienlich sein. Förderfähig sind Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit und zur Prävention, wenn sie in einen der nachfolgend genannten vier Bereiche fallen:

  • Maßnahmen zur Bewegungsförderung, z.B. Wirbelsäulengymnastik, Pilates, Rückentraining und Yoga
  • Angebote zur Förderung einer gesunden Ernährung, z.B. Programme zur Reduzierung des Gewichts und Ernährungsseminare
  • Maßnahmen zur Suchtmittelvermeidung, z.B. Gruppenprogramme für kontrolliertes Trinken, Nichtraucherkurse
  • Entspannungstechniken und Stressbewältigung, z.B. autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobsen, Tai Chi und Qi Gong

2. Welche Maßnahmen sind nicht förderfähig?
Andere Maßnahmen sind wiederum nicht von der Steuer befreit und damit nicht als betriebliche Gesundheitsmaßnahmen förderfähig:

  • Mitgliedsbeiträge für einen Sportverein
  • Mitgliedsbeiträge für ein Fitnessstudio
  • Kurse, in deren Mittelpunkt das Ausüben oder Erlernen einer Sportart steht

Außerdem darf die vom Arbeitgeber bezahlte Maßnahme nicht durch ein wirtschaftliches Verkaufsinteresse motiviert sein. Das bedeutet, dass ein Kurs zur Gewichtsreduktion nicht zum Kauf einer bestimmten Diätnahrung auffordern darf.

3. Voraussetzungen für die steuerliche Förderung: Zertifizierung der Maßnahme
Die Maßnahme zur BGF muss nach § 20 SGB V (Sozialgesetzbuch, fünftes Buch) zertifiziert sein. Diese zusätzliche Vorschrift gilt erst seit 2019, wobei die Übergangsregelungen zwischenzeitlich ausgelaufen sind. Die Zertifizierungspflicht gilt auch für Maßnahmen, die bislang zertifizierungsfrei waren. Ob eine Maßnahme zertifiziert ist, entscheidet die Zentrale Prüfstelle Zertifizierung der gesetzlichen Krankenkasse. Um die Zertifizierung muss sich der jeweilige Anbieter kümmern. Die Maßnahme ist ohne Probleme steuerlich förderfähig, wenn sie bei den Krankenkassen als externes Angebot gelistet ist. Gleiches gilt für zertifizierte Online-Kurse, die ebenfalls von der Steuer befreit sind.

4. Voraussetzungen für die steuerliche Förderung: Freiwilligkeit der Leistung
Die Übernahme der Kosten für die gesundheitliche Maßnahme muss eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers sein. Sie muss außerdem zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden. Lohnsteuer wird hingegen fällig, wenn es sich bei der Maßnahme um die Umwandlung von Arbeitsentgelt handelt, das den Arbeitnehmer*innen ohnehin zusteht.

5. Alternative zur steuerfreien Übernahme: Sachlohn
Alternativ zur steuerfreien Übernahme kann der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter*innen Mitgliedsbeiträge und Kurse als Sachlohn zukommen lassen. Auch diese Variante ist steuerfrei. Der Freibetrag liegt nach § 8 Abs. 2 EStG bei maximal 44 Euro im Monat. Diese Variante umfasst auch die monatlichen Beiträge für das Fitnessstudio oder den Sportverein. Wichtig für Arbeitgeber*innen: Die Option des Sachlohns kann zusätzlich zu den steuerfreien Maßnahmen in der BGF beansprucht werden. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber den Freibetrag in Höhe von 600 Euro jährlich zuzüglich der 44 Euro monatlich für jeweils einen Arbeitnehmer steuerlich in Abzug bringen kann.